O, Bio-Tannenbaum!

Eines möchte ich gleich vorweg nehmen. Ich bin nicht gegen alle Traditionen. Weihnachten mag ich. Nur frage ich mich alle Jahre wieder, wie lange wir uns die Flut der Weihnachtsbäume noch leisten werden können. Nur um insgeheim zu wissen, dass wir es eigentlich der Umwelt zuliebe schon längst nicht mehr sollten. Leider bin ich damit allein auf weiter Flur. Also gab es dieses Jahr einen Kompromiss, aber dazu komme ich später noch.

Beginnen möchte ich mit ein paar Zahlen und Fakten. Was glaubt ihr, wieviele Weihnachtsbäume jedes Jahr alleine in Deutschland gekauft werden? weihnachtsbaum-konsum-deutschland

Stolze 29,3 Millionen Weihnachtsbäume waren es 2016 – Tendenz steigend. Und leider werden die meisten handelsüblichen Tannen unter heiklen Bedingungen gezüchtet.

Das Tannenbaum-Business hat sich längt zu einer Massenproduktion unter Einsatz vieler ökologisch sehr bedenklicher Pflanzenschutzmittel entwickelt – ganz zu schweigen von den Tonnen an (Sonder-)Müll, der durch die Entsorgung der Bäume nach den Feiertagen produziert wird. Wer möchte denn schon so eine Chemiekeule ungefilter bei sich im Kamin verheizen?!

Problem Nordmanntanne

Die Nordmanntanne ist mittlerweile der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen. Und bis ich mich mit diesem Thema auseinandersetzte, wusste ich auch nicht, dass der Großteil des Saatguts für die Weihnachtsbaumproduktion aus Georgien stammt. Die Zapfenpflücker klettern in die 30 m hohen Nadelbäume und ernten den Samen unter gefährlichen, primitiven Bedingungen.

Die Organisation „Fair Trees“ engagiert sich für die Arbeitssicherheit und faire Bezahlung der Zapfenpflücker. Wenn es also eine Nordmanntanne sein soll, macht es Sinn auf das „Fair-Trees“ Siegel zu achten.

Fair Trees ist Weihnachten mit gutem Gewissen. Beim Kauf eines Fair Trees-Weihnachtsbaums haben Sie die Sicherheit, dass größtmögliche Rücksicht auf Menschen und Umwelt genommen wurde. Quelle: http://fairtrees.de/

Regional kaufen!

Auf jeden Fall sollte man bei der Weihnachtsbaumauswahl auf Regionalität achten. Lange Transportwege aus Dänemark, Osteuropa oder Irland werden vermieden, was sich nicht nur für die Umwelt lohnt – sondern für viel frischere Qualität der Bäume sorgt.

Warum nicht einfach einen Baum im Topf kaufen, frägt sich nun bestimmt der eine oder andere? Nicht schlecht der Gedanke, aber auch hier gibt es einiges zu wissen. Weihnachtsbäume im Topf werden meist im Wald gerodet, mit ein paar Wurzelstümpfen in einen Topf gepresst und sind daher nicht überlebensfähig.

Besser ist es hier sich einen Baum aus einer guten Baumschule zu holen. Diese überleben es auch, wenn sie – nach eine Gewöhnungsphase – für ein paar Tage ins Zimmer gestellt werden. Die Koreatanne oder auch die Balsmatanne sind zum Beispiel eine langsam wachsende und klein bleibende Arten, welche lange im Kübel kultiviert werden kann.

Aber es geht auch Bio!

Wenn man sich ein Weihnachten ohne echten Baum nicht vorstellen kann, gibt es selbstverständlich auch umweltbewusste Alternativen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten! Es gibt verschiedene Siegel, aber nicht jedes bedeutet eine „Bio“-Zertifizierung nach den Regeln des ökologischen Landbaus.

Im Gegensatz zu anerkannten Bio-Siegeln, ist das internationale FSC-Gütezeichen beispielsweise kein Öko-Siegel, sondern steht nur für eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft. Nach der EU-Ökoverordnung dürfen die Anbauflächen mindestens 3 Jahre nicht mit Herbiziden, Pestiziden und Düngemütteln behandelt worden sein, die nicht nach der Verordnung erlaubt sind, bevor eine zugelassene Öko-Kontrollstelle das Bio-Siegel erteilt und die Ware zertifiziert.

Unser Kompomiss war dieses Jahr ein Bio-Weihnachtsbaum. Wir haben uns dabei an dem Bio-Siegel „Biokreis e.V.“ orientiert und uns für einen regionalen Bio-Weihnachtsbaum aus dem naheliegenden Spessart entschieden.  (Bild-Quelle: bio-weihnachtsbaeume.com)

Wusstest du übrigens dass so ein Weihnachtsbaum 12 bis 15 Jahre braucht, um Zimmerhöhe zu erreichen? Da bekommt man schon Respekt. Und gleichzeitig zwingt mich mein Bauchgefühl bei dem atemberaubenden Gedanken an die jährlichen über 29 Millionen Bäume diese Tradition zu hinterfragen.
Sind es wirklich die Kinder, die sich ein Weihnachten ohne echten, großen Tannenbaum nicht vorstellen können? Oder sind es die Erwachsenen, die sich von ihren Traditionen nicht lösen können? Hat in unserer konsumgesteuerten Zeit leider nicht längst der Geschenkeberg die Wirkung des Tannesbaums überholt?
Ein Patentrezept habe ich auch nicht zur Hand. Wie schon gesagt, wird auch bei uns ein Bio-Weihnachtsbaum für 2 Wochen das Wohnzimmer schmücken, ab dem dritten Tag werde ich täglich die Nadeln wegsaugen und am 6. Januar den Baumschmuck wieder in die Kiste packen und den vertrockneten Baum nach draußen verfrachten.
12 Jahre Wachstum vs. 2 Wochen Zimmerschmuck. Mhhh. Schwierig. Aber eines weiss ich, dieses Jahr werde ich beim Staubsaugen nicht fluchen und den Baum mit noch mehr Respekt bewundern. Und vielleicht schaffen wir nächstes Jahr eine noch umweltfreundliche Variante – vielleicht auch die „Baum im Topf von der Gärtnerei“-Variante. Ich werde berichten :-)
Ich wünsche euch allen ein wunderschönes 4. Advents-Wochenende.

Liebe Grüße,
Birgit

Verlinkt bei Samstagsplausch, Sonntagsfreuden und Sonntagsglück.

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8 thoughts on “O, Bio-Tannenbaum!”

  1. Hallo Birgit,
    ein sehr interessanter Bericht, den hoffentlich viele lesen werden. Ehrlich ich kann mir auch kein Weihnachten ohne Baum vorstellen, aber wir haben hier zum Glück die beste Lösung und haben Platz genug für meine Familie selber Tannenbäume aufzuziehen. Auch wenn sie sicherlich nie perfekt gewachsen sind, sind sie doch für uns perfekt und hier wissen wir, die haben seit sie bei uns als kleine Stecklinge wachsen nie einen Dünger oder oder gesehen zu haben und das beste daran, wir können sie getrost verheizen. Ich finde Eure Bio-Variante auch super, aber der Baum im Topf wär sicherlich auch etwas.
    Viele liebe Grüße und einen schönen 4. Advent
    Christine

    1. Hallo Christine! Da hast du wirklich die beste Lösung. So in der Art kenne ich es auch von meiner Kindheit, wo auch mal der eine oder andere Baum vom eigenen Grundstück dran glauben musste. Aber diese romantischen Zeiten sind vorbei. Vielleicht sollten wir ja auch wieder über eigene Setzlichen nachdenken anfangen… Glg, Birgit

  2. Mache mir auch Gedanken über die Weihnachtstanne. Regional kaufte ich schon immer, beim Bauer im Dorf, beim Förster zum Beispiel. Gewöhnliche Rottannen. Nach Weihnachten stellte ich den Baum in den Garten oder habe die Äste als Abdeckung gebraucht. Im Frühling konnte ich ihn problemlos als Anfeuerholz gebrauchen. Die letzten Jahre habe ich Tannen im Topf gekauft und sie in den Garten gepflanzt. Jetzt bieten sie kleinen Vögeln Schutz. Jetzt, da die Kinder alle ausgeflogen sind, schmücke ich ein kleines Tännchen, wenn ich Lust verspüre (Die Buben wollten immer einen möglichst grossen Baum haben).
    Gestern habe ich Bäume gesehen, die 150 Franken kosten. Dieses Geld spende ich lieber, als dass es bei mir in der Stube vertrocknet. Liebe Grüsse zu dir. Regula

    1. Liebe Regula, vielen lieben Dank für dein Kommentar. Es freut mich sehr, dass auch andere sich über dieses Thema Gedanken machen und mich nicht als „Spielverderberin“ sehen :-). Glg, Birgit

  3. Als Familie hatten wir immer einen 270 cm hohen Baum, am Tag vor Heilig Abend selbst geschlagen in der Christbaumkultur vor Ort. Meist eine serbische Fichte, die oft bis Maria Lichtmess also bis zum 4. Februar in unserer Wohnküche stand. Der Vater meiner Kinder wollte das so, ihm tat es sogar oft noch im Februar leid den Baum weg zu tun, weil er immer noch so schön grün war. Die Bäume in der Christbaumkultur werden extra für diesen Zweck gepflanzt, ich kann das mit meinem grünen Gewissen sehr gut vereinbaren.
    herzlich Judika

    1. Liebe Judika, vielen lieben Dank für dein Kommentar. Schön, dass ihr euren Baum so lange genießen könnt. Ja, die Bäume in den vielen Christbaumkulturen werden nur für diesen Zweck angepflanzt. Daher finde ich, dass es sich besonders lohnt drauf zu achten, wie diese Bäume und der Boden behandelt wurden. Denn den vielen Dünger will man dann vielleicht doch nicht im Boden und die Herbi- und Pestizide nicht in seinem Wohnzimmer haben. Vor allem soll mein Beitrag jedoch zum Nachdenken anregen und niemanden seine Tradition madig machen :-). Glg, Birgit

  4. Vielen Dank für de n interessanten Bericht. Was bin ich doch eigentlich froh, dass wir keinen Baum machen. Es ist zwar eine schöne Sache, aber es haben sich Änderungen in der Familie ergeben, so dass wir zu dritt keinen Baum aufstellen werden.
    Bei uns wäre auch kein Platz für ein Bäumchen.
    Aber gut zu wissen, auf was man gucken sollte, wenn man ein Bäumchen haben will.
    Dir einen schönen vierten Advent. Herzlichen Gruß Sylvia

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