Nie mehr Umgraben!

Das Thema „Umgraben“ ist vor allem im Herbst für viele Gärtner relevant. Die Meinungen dazu gehen in der Gärtnergemeinschaft jedoch auseinander. Während viele darauf schwören, durch Pflügen und Umgraben einen fein-krümeligen Boden zu erhalten, so graben vor allem Biogärtner nicht mehr um, damit das empfindliche Bodenleben nicht zerstört wird.

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Im Gartenboden leben unzählige Kleinstlebewesen in einem empfindlichen Ökosystem zusammen. Dabei gibt es im der oberen Humusdecke eine vertikale Schichtung in welcher sich die luftliebenden (aeroben) Bakerien in der Nähe der Bodenoberfläche und anaerobe Bakterien sich in den tieferen, sauerstoffärmeren Schichten aufhalten.

Wenn dieses System durch das Wenden der Erdscholle plötzlich durcheinanderkommt, so werde vielen Bodenbakterien buchstäblich begraben. Für den Biogärtner ist es daher wichtig, diese natürliche Schichtenbildung zu erhalten – auch im Winter! Stattdessen lockert man die obere Bodenschicht der Beete auf, ohne die Humusschicht zu zerstören.

Ein sehr praktisches Arbeitsgerät dafür ist die Doppelgrabgabel oder Biograbgabel. Die stabfömigen Zinken lassen sich leicht in den Boden schieben und durch einen Hebeldruck nach hinten werden selbst lehmige Böden gut durchlüftet. Ich verwende diese nun schon seit zwei Jahren und finde es eine sehr einfache und rückenschonende Methode.

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Eine Alternative – bei sehr leichten, humösen Böden, stellt auch der Sauzahn dar, welcher durch den Boden gezogen wird und damit den Boden ebenfall lockert, ohne ihn umzugraben.

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Nach der Bodenlockerung im Herbst, wird dieser bei Bedarf gedüngt (z.B. durch das Einharken von halbverrotteten Kompost in die oberen Schichten) und dann mit einer Mulchschichte aus z.B. Grasschnitt zugedeckt.

Werden Beete bereits im Spätsommer frei, können dieses nach dem Lockern auch mit Gründungung versehen werden, so wie ich es bei meinem Kartoffelacker mit der Bienenweide (Phazelia) gemacht habe. Diese friert über den Winter ab und wird dann im Frühjahr eingearbeitet.

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Nur wenn man einen sehr verwilderten Garten oder eine Wiese neu erschießen möchte, macht das Umgraben Sinn.  Die unerwünschten Pflanzen werden dabei auf den Kopf gedreht und gehen ein. Die Schollen werden dann unzerkleinert liegen gelassen, damit der Frost eindringen kann, um die großen Klumpen zu zersprengen und die Erde zu zerkrümeln.

Verlinkt bei Samstagsplausch und Sonntagsfreuden.

14 Gedanken zu „Nie mehr Umgraben!

  1. Möglichst keine brachen Flächen, über den Winter im Garten, sollte man haben.
    Genau so schlimm für die Bodenlebewesen sind die Fräsen im Frühling im Garten.
    L G Pia

  2. Sehr spannend geschrieben, kann da nur beipflichten;)!! Auf dem letzten Bild ist Phacelia? Die ist eine super Bienenpflanze und lockert den Boden super auf, dazu wirkt sie gegen Parasitenbefall bei Tieren im Darm;)
    Weiterhin gutes Abschliessend der Gartenarbeit!
    Herzlich, Rita

    1. Hallo Rita! Vielen lieben Dank, ja das ist Phacelia. Ich hab sie nur etwas zu spät gesät, weshalb nur wenige davon blühen. Vielen Dank für deine Infos. Glg, Birgit

  3. Das tönt gut, und ich versuche es ähnlich zu machen: den Boden so schonend wie möglich nur bearbeiten! Danke auch fürs zeigen der Werkzeuge… das Erste kannte ich noch nicht und werde mal dafür Ausschau halten. Liebe Grüsse, Miuh

    1. Hallo Andrea! Es gibt ja nicht immer schwarz oder weiss, also denke ich dass jeder für sich das Richtige herausfinden muss, aber mir erleichter das „Nicht-Umgraben“ sehr die Herbstarbeiten. Glg, Birgit

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