Mein „unperfekter“ Biogarten!

Nachdem dem langen Regen in der letzten Woche, konnte ich die Beete endlich mal wieder durchjäten und mit Rasenschnitt frisch mulchen. Dabei hatte ich auch viel Zeit, mir den Garten etwas genauer anzusehen und auf mich wirken zu lassen. Denn nun ist es mittlerweile die 5. Saison in meinem Gemüsegarten (Wahnsinn, wie die Zeit vergeht) und es hat sich so einiges verändert.

Mein "unperfekter" Biogarten | Selbermachen macht glücklich: : DIY, Nähen, Biostoffe, Biogarten #diy #nähen #biostoffe #garten

Um euch einen Eindruck davon vermitteln zu können, habe ich mich einfach mal mitten reingestellt und nach Osten und Westen fotografiert.

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Der Perfektionismus ist der Realität gewichen – könnte man sagen, wenn man es knapp zusammenfassen müsste. Gestartet habe ich mit geordenten Beeten – Mischkultur in Reih und Glied – so wie es sich für eine Wahldeutsche auch gehört. Jeder Zentimeter wurde sorgsam bepflanzt, mit dem Selbstversorgen im Visier.

Doch schon bald merkte ich, dass ein Garten seine eigene Dynamik entwickelt – vor allem dann, wenn man ökologisch arbeitet und auf Chemie und Kunstdünger verzichtet. Da wuchs bei weitem nicht alles so, wie es auf dem Papier vorgeplant wurde. Zudem waren wir weit davon entfernt, uns für den Winter genügend Vorräte anzubauen.

Da hätte meine Familie ganz schnell ein dickes, fettes VETO eingelegt, wenn sie den ganzen Winter lang eingekochtes Zucchini-Chutney, eingefrorene Buschbohnen, Zwiebeln und Kartoffeln hätte essen müssen (an etwaige Mangelerscheinungen möchte ich gar nicht denken…).

Mehr ist nämlich von der Sommerernte nicht übrig geblieben. Karotten sind bei meinem Boden noch nie gewachsen (auch wenn davor der Boden gut aufgelockert war), die Kohlsorten haben die Schnecken verspeist, den Rosenkohl die weißen Fliegen befallen und die Erdbeeren sind ganz schnell und ohne Umwege in kleine Kindermünder verschwunden.

So schön auch die frühen Morgen bei Sonnenaufgang alleine im Garten waren – mein Mann hat es nie verstanden, warum ich mich um 5 Uhr früh ans Schneckensammeln und Gießen machte. Ein Buch nach dem anderen wurde gewälzt, um noch mehr über die Mischkultur zu verstehen – und um ja nichts „falsch zu machen“.

Und so hat es seine Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich keinen perfekten Garten brauche. Dass dieser nicht auf Knopfdruck funktioniert und die Beete auch schön sind, wenn sie nicht perfekt angelegt und gepflegt sind. Dass Unkraut und Schnecken nicht meine Feinde sind und keiner was davon hat, wenn mir das Chaos im Garten (welches unweigerlich aufgrund von Zeitmangel entsteht) schlaflose Nächte und Unruhe (man könnte auch Stress sagen) beschehrt.

Da war ich nun also – 5 Jahre später – und blickte in meinen diesjährigen blumigen Gemüsegarten. An allen Ecken und Enden summt es auf den kleinen Bienenweide- & Ringelblumen-Inseln, die ich dieses Jahr bewußt stehen hab lassen. Wo die Sojabohnen aufgefressen wurden, haben spontan Kürbisse ihren Platz gefunden. Und trotz der „gärtnerischen Rückschläge“ – oder vielleicht auch gerade deshalb – ist es der schönste Gemüsegarten, den ich je hatte.

Denn auch wenn ich es nicht jeden Tag schaffe, ihm einen Besuch abzustatten, weiß ich, dass er voller Leben steckt. Jede Menge Wildbienen finden hier Nahrung und Unterschlupf, natürlich auch Schnecken und Kartoffelkäfer, aber es herrscht ein natürliches Gleichgewicht. Das Wetter bestimmt auch meine Ernte, denn bei den wenigen Niederschlag, den wir in unserer Weingegend haben, möchte ich nicht mit Trinkwasser gießen.

Die Ernte der Zucker- und Markerbsen ist deshalb dieses Jahr auch leider sehr mau ausgefallen. Mehr als ein paar handvoll süßer Erbsen war nicht drin. Dafür hängen die Tomaten übervoll und auch die Frühkartoffeln können wir schon genießen!

Wie sieht es denn bei euch so im Garten aus?

Liebe Gartengrüße,
Birgit

Verlinkt bei Samstagsplausch und einfachnachhaltigbesserleben.

7 thoughts on “Mein „unperfekter“ Biogarten!”

  1. Guten Morgen,
    ich finde deinen Garten wunderschön und würde mich freuen, wenn es bei mir so grünen und blühen würde! Mein Gemüsegarten ist ja nur winzig, aber ich habe ganz stolz einige Radieschen ernten können. Die Salatgurke und die Tomatenpflanze kommen sich ganz langsam. Auch die Mairübchen scheinen was zu werden (nun gut, so ganz sicher bin ich da noch nicht, aber ich warte mal ab). Ist ja das erste Mal, dass ich eigenes Gemüse angepflanzt habe, von daher bin ich entspannt. Mal schauen, wie es bei mir in 5 Jahren aussieht ;-)
    Hab ein schönes Wochenende
    LG
    Yvonne

  2. Guten Morgen Birgit,
    dein Gartenbericht spricht mir aus der Seele. Nach 2 Wochen Urlaub habe ich zur Zeit einen leicht verwilderten Garten, in dem aber die Tomaten (besonders die aus deinen Samen gezogenen) viele Früchtchen angesetzt haben. Erdbeermarmelade konnte ich schon kochen. Und zum ersten Mal habe ich mich an Mangold herangewagt. Mit Erfolg.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag, vielleicht im Garten.
    Liebe Grüße
    Tina

  3. Wow! der Garten sieht ja mal voll toll aus! Ich mag das sehr, da haben unsere Bienen und sonstigen Brummen ja wirklich ein tolles Umfeld. Also, ich hab nur ein bisschen Rhabarber und jede Menge Unkraut im Garten und halt Blumen…Hab noch ein schönes WE und ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

  4. Ich würde mich freuen, wenn mein Garten so aussehen würde. Aber der Vater und die Mutter sorgen schon dafür, das alles in Reihe und Glied steht und wächst.
    Ich muss halt abwarten, bis ich ihn übernehme.
    Lieben Gruß
    Andrea

  5. Ich finde Deinen Garten wunderschön, gerade das unperfekte, ungerade, bunte Durcheinander ist es was ich an Gärten liebe und so gibt es auch bei uns ganz viel „Spontanbepflanzung“ ( Unkraut gibt es ja nicht!) 😉
    Liebe Grüße Isa

  6. Sagen wir mal so: „Perfekt“ ist ja wohl auch Ansichtssache. Und ich finde Deinen Garten genauso wie er ist perfekt!! Vielleicht sieht er nicht aus wie in einem Deiner Bücher…. aber dann hast Du wohl einfach die falschen Bücher gekauft. :-)
    LG
    Natalie

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