Mehr Tierwohl!

Eigentlich ist es doch eine im Grundgedanken positive Sache. Dennoch kann ich einfach nicht verstehen, dass sich unser Bundeslandwirschaftsminister für ein Projekt feiern lässt, welches weder konkrete Verbindlichkeiten hat, noch in seiner regulären Amtsperiode in Kraft treten wird. Dafür hat Christian Schmidt in den letzten drei Jahre zu viele Möglichkeiten ausgelassen, unseren konventionellen Nutztieren ein wohlverdientes, besseres Dasein zu verschaffen.

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(Quelle: http://www.bmel.de/DE/Tier/Tierwohl/_texte/Tierwohllabel-Vorstellung-IGW.html)

Aber worum geht es eigentlich, fragen sich nun vielleicht diejenigen von euch, die von der Bekanntmachung des neuen „Mehr Tierwohl“-Siegels nichts mitbekommen haben. Mehr Tierwohl ist doch eine gute Sache, denken sich vielleicht andere und fragen sich, warum ich hier nun unbedingt meinem Unmut freien Lauf lassen muss.

Ja, mehr Tierwohl ist in der Tat eine ausgesprochen gute und wichtige Sache, die längst überfällig ist. Jedoch ein schickes Logo für mehr Tierwohl ohne Teilnahmebedingungen, Starttermin und Details – kurz vor Ende der Amstperiode – fallen für mich persönlich unter Wahlkampf-PR.

Denn was genau ist „mehr“? Wie soll das ohne gesetzliche Verbindlichkeiten in der Praxis funktionieren? Schon garnicht, solange die Verbraucher nicht bereit sind, den notwendigen Preis dafür zu zahlen. Denn obwohl 87 % der Befragten für mehr Tierwohl sind, so geben gerade mal 2 % in der Realität mehr Geld für Biofleisch aus. Was für ein Widerspruch!

Produkte aus artgerechter Tierhaltung gibt es ja bereits. Und das sogar einfach und bequem online, z.B. mit den Wurstprodukten von Freilandschweinen bei Meine keine Farm (über Frischfleisch-Lieferungen wird hier nach der Anmeldung zum Newsletter bequem per Email informiert). Wenn wir andere Bio-Fleischprodukte brauchen, dann kaufen wir diese entweder beim lokalen Bio-Supermarkt in der Stadt, oder online über unsere regionale Ökokiste.

Diese liefern 1x pro Woche, wodurch man auch nichts einfrieren muss und gut planen kann. Von diesen Ökokisten gibt es mittlerweile schon ganz viele in Deutschland, wodurch so ziemlich jeder in einen der Lieferkreise fallen müsste. Umfragen haben nämlich auch ergeben, dass viele Konsumenten die langen Wege scheuen, um in Fachgeschäften einzukaufen.

Dazu gaben viele der Befragen an, dass Sie die unterschiedlichen Siegel und Label nicht verstehen. Wer sich gerne über die bestehenden Siegeln und deren Richtlinien – konventionell und bio – informieren möchte, findet hier eine gute Übersicht: https://www.tierwohl-staerken.de/einkaufshilfen/tierwohl-label/

Viel zu teuer sagen die anderen? Dabei es ist ganz einfach: Wer halb so viel Fleisch isst und doppelt soviel dafür bezahlt, hat unterm Strich am Ende genauso viel Geld in der Tasche wie vorher und tut sich und seiner Umwelt was Gutes.

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(Quelle: meinekleinefarm.org)

Deshalb kann ich nur hoffen, dass bis zum in Kraft treten des neuen „Mehr Tierwohl“ Siegels in 2018 klare Richtlinien geschaffen werden, die Nutztieren das versprochene Wohl zu Gute kommen lassen. Die Prognosen des wissenschaftlichen Agrarbeirates, welcher Christian Schmidt berät, sagt voraus, dass sich nur maximal 20% der konventionellen Betriebe beteiligen werden. Die Teilnahme der Industrie ist ja auf freiwilliger Basis und die Nachfrage steuert das Angebot, somit ist der Konsument mehr gefragt denn je!

Solange folglich ein Großteil der Billig-Produzenten die „Mehr Tierwohl“-Produkte preislich unterbieten und die Konsumenten danach greifen, wird dies auch keine Trendwende erzeugen. Und man fragt sich, ob die ganze Initiative vielleicht doch im Sinne der Lebensmittelindustrie und nicht der des Verbrauchers war.

Ich hoffe jedoch, trotz meiner pessimistischen Worte, dass dem nicht so sein wird. Sondern, dass stattdessen das grausame Leiden der Massentierhaltung erfolgreich vermindert wird. Und dann entschuldige ich mich bei Ihnen Herr Landwirtschaftsminister und gratuliere Ihnen nachträglich zu diesem Erfolg während Ihrer Amtszeit. Bis dahin bitte ich sie jedoch, auf Ihrer Webseite nicht mit dem grünen „Geschafft-Haken“ den Eindruck zu erwecken, dass unsere konventionell gezüchteten Nutztiere bereits jetzt mehr Tierwohl erhalten. Denn das entspricht leider absolut nicht der grausamen Realität!

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(Quelle: https://www.bmel.de/DE/Tier/_texte/landingpage-tierwohl.html?nn=309812)

Einer Realität, die sich viele von uns nicht vorstellen können (und wollen). Ein System, welches wir persönlich seit drei Jahren mit unserem Konsum nicht mehr unterstützen. Denn mit saftigen, grünen Wiesen und glücklichen Tieren hat unsere Nutztierhaltung leider schon viel zu lange absolut nichts mehr gemein.

Ich hoffe ich konnte manche von euch ein bisschen zum Nachdenken – und vielleicht sogar zum Handeln – anregen und wünsche euch allen ein wunderschönes Wochenende!

Liebe Grüße,
Birgit

Verlinkt bei Samstagsplausch, Sonntagsfreuden und Sonntagsglück.

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22 thoughts on “Mehr Tierwohl!”

  1. Wenn es von Gesetzes wegen kein Fleisch aus Massenproduktion gäbe, würden die Konsumenten halt mehr für Fleisch bezahlen, weil es kein Billigfleisch gäbe. Vielleicht würden dann weniger Fleisch konsumiert, was der Umwelt nur gut täte.
    Wenn du darüber nachdenkst, wie Tier verachtend Billigfleisch produziert wird und wie das konkret aussieht, dann musst du nicht nur kotzen, weil es eine Sünde ist, wie die Tiere behandelt werden, sondern auch weil dich das Produkt anwidert.
    Und nein, es ist noch nicht geschafft, da stimme ich dir hundertprozentig zu. Liebe Grüsse von Regula

    1. Liebe Regula, vielen lieben Dank für deine direkten Worte. Es ist ja mittlerweile schon fast ein Tabu-Thema geworden offen darüber zu reden. Wenige wollen wissen, wie es in den Ställen aussieht, denn logischerweise würde das Fleisch dann auch nicht mehr so schmecken. Sogar in Bio-Betrieben müssen die Tiere auf viel zu engem Platz leben. Für mich war daher die einzig vertretbare Alternative auf Fleisch komplett zu verzichten und Michprodukte stark zu reduzieren. Das tut mir gut und schont die Umwelt. Aber schlussendlich muss es jeder für sich entscheiden :-). Liebe Grüße, Birgit

  2. Ich lese auch immer fassungslos die Zahlen, dass immer noch mehr Fleisch gegessen wird. Da war meine Hoffnung doch leider vergebens, dass sich durch den Trend zu veganen oder vegetarischen Ernährung was tun würde.
    Wir haben Wurstprodukte vollkommen vom Speiseplan gestrichen, essen nur einmal die Woche ein Fleisch- oder Fischgericht (Demeter oder Bioland, auch beim Fisch achte ich darauf wie und wo gefischt wurde).
    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea, vielen lieben Dank für dein Kommentar. Ja, aber die Hoffnung darf man trotzdem nie aufgeben. Sonst ist man doch nur noch am Verzweifeln. Finde ich toll, wie ihr das für euch geregelt habt. Glg, Birgit

  3. Auch wir haben unseren Wurstverbrauch sehr reduziert und kaufen wenn wir Fleisch haben wollen bei Demeter oder Bio. Aber das ist auch schon recht wenig geworden.
    Der Sohn isst gar kein Fleisch mehr seid über einem Jahr.
    Aber es sind eben doch noch zu wenige Menschen die sich darüber Gedanken machen.

    1. Liebe Sylvia, vielen lieben Dank für dein Kommentar. Ja es sind noch viel zu wenige, trotzdem sollte man nicht aufgeben! Ich freue mich alleine schon anhand der heutigen Kommentare, dass es Menschen gibt, die ähnlich denken. Und vielleicht erreicht man auch irgendwann mal – mit gesetzlichen Vorgaben – auch mal die Massen. Glg, Birgit

  4. Und genau aus diesem Grund esse ich kein Tier mehr.Seit mittlerweile über 3 Jahren und es geht mir gut damit.
    Selbst wenn ich wollte könnte ich die Bilder und Berichte die ich gesehen habe nicht vergessen .
    Und deswegen kann ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.
    Aber es stimmt leider das es die Mehrheit scheinbar nicht juckt und man wird als Vegetarier eher belächelt.

    Ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende 🌞

    1. Liebe Tina, so machen wir das auch. Ich wollte auch bewußt so viel über das Thema lesen, wie nur möglich. Nur die Video-Reportagen habe ich mir erspart, da ich die Entscheidung gegen Fleisch und großteils auch Milchprodukte ja schon getroffen hatte. Es ist einfach so traurig und beschämend, was in vielen Ställen passiert. Glg, Birgit

  5. ich denke, Fleisch ist leider viel zu billig, deshalb wird es auch so viel gegessen. Solange sich daran nichts ändert, wird der Ottonormalverbraucher auch an seinem Fleischkonsum nichts ändern. Wäre schon schön, wenn sich da endlich mal was tut und dem ganzen ein Riegel vorgeschoben würde.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Patricia

    1. Liebe Particia, es wird doch alles immer billiger. Essen, Kleidung.. keiner weiß, wo das hinführen soll und trotzdem macht die Politik nichts dagegen :-(. Glg, Birgit

  6. Wir essen seit Jahren weniger Fleisch/Wurst . Wenn es ein Fleischgericht gibt, ist die Portion klein und vom Bio-Schlachter. Ich kann nicht verstehen,dass die Menschen für ihre Katzen Hunde usw. viel Geld ausgeben und sich rührend um sie kümmern…aber beim Nutztier keine Interesse an der Haltung zeigen. Wenn der Mensch “ schwach“ ist,muss endlich ein vernünftiges Nutztier-Haltungsgesetz erlassen werden.
    Liebe Grüße RIKA

    1. Liebe Rika, ich habe auch nie verstanden, warum unser Tierschutzgesetz gerade Nutztiere ausschliesst. Macht doch in keinerlei Hinsicht Sinn… Glg, Birgit

  7. Ich esse kein Fleisch mehr. Heißt aber nicht, das meine Milchkühe besser gehalten werden als die Fleischlieferanten. Woher die Milch für meinen Käse kommt, das steht auf keinem Brocken, der aus der Frischkäseauslage kommt. Und den ganzen Bio kann ich nur bedingt glauben, nachdem ich einen Bericht in unserem Rbb gesehen habe…

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea, mein Mann und ich essen auch seit 3 Jahren kein Fleisch mehr. Wenn ich was kaufe, dann in kleinen Mengen für die Kinder, da diese noch nicht so vielseitig esse wie wir. Eine ganze Zeit lang habe ich auch vegan gelebt, aber das wurde dann kochtechnisch einfach zu kompliziert, wenn man im Extremfall dann 3 verschiedene Menüs für den Mittagstisch zubereitet ;-). Glg, Birgit

  8. Du sprichst mir aus der Seele. Ich kann einen Politiker nicht ernst nehmen, der solche Lippenbekenntnisee als großen Durchbruch feiert und dann von der Bühne tritt.
    Aber da das derselbe Herr Schmidt ist, der es ganz schrecklich findet, wenn vegane Produkte „Wurst“ heißen, erscheint es ja recht eindeutig, dass er sich eher wenig um konkretes Tierwohl sorgt.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  9. Das hab sogar ich hier in Österreich mitbekommen, das mit diesem dubiosen Siegel!
    Eine Frage habe ich: Hast du Quellen, ob und wenn ja, wo es Milchprodukte gibt, die fair hergestellt werden? Also wo das Kälbchen bei der Mutter bleibt und trotzdem gemolken wird? Das finde ich nämlich bei der ewigen Fleischdiskussion so schlimm, dass auf Milchprodukte egal ob Bio oder nicht, gar nicht eingegangen wird, sind sie doch die gleichen Qualprodukte wie Billigfleisch!

    Ich drück dich!

    1. Nein, leider gibt es noch kein Siegel, welches eine muttergebundene Kälberaufzucht sicherstellt. Und du hast recht, den Qualen der Kälber wird viel zu wenig Aufmerksamkeiten geschenkt. Es gibt zum Glück Ausnahmen, die diese Kälberaufzucht in der Praxis umsetzen, wie das Hofgut Rengoldshausen: http://www.rengo.de/landwirtschaft/ Mehr Infos findest du auch hier: https://www.demeter.de/verbraucher/aktuell/demeter-platz1-milchratgeber-welttierschutzgesellschaft

      Ich drück dich auch! Glg, Birgit

  10. Auch wieder so ein Augenauswischer! Dieses Siegel wird auch nichts ändern im Verbraucherverhalten. Wenn Antibiotika-Resistenz grausame Realität werden würde und jeder mit einer „harmlosen“ Angina monatelang rumlaboriert, weil kein Medikament mehr hilft, dann wird sich an der Einstellung der Verbraucher etwas ändern! Angst müssen sie vorm Billig-Fleisch bekommen., vorher wird nichts passieren!
    Ich esse schon lange sehr wenig Fleisch, zu Hause gar nicht, praktisch nur im Resto und bei Freunden, weil ich nicht immer den Party-Puper machen will. Auch Milchprodukte habe ich stark reduziert, gibt’s bei mir nur noch, wenn ich was Süßes backe. Die veganen Alternativen überzeugen meistens nicht so. Außerdem gibt es keine Margarine ohne Palmöl und das heißt ja den Teufel mit dem Beezlebub austreiben. Ach, ein leidiges Thema!
    Ich finde es super, dass du das Thema ansprichst und du machst es auf eine Weise, bei der sich niemand auf den Schlips getreten fühlt!
    Danke!
    Gros bisou
    Sandra

    1. Liebe Sandra! Vielen herzlichen Dank für deine Gedanken zu diesem heiklen Thema. Das allergrößte Kompliment hast du mir mit deinem letzten Satz gegeben, denn ich habe lange überlegt, ob ich es ansprechen soll und wie und bin froh es so geschafft zu haben, wie ich es mir gewünscht hatte. Denn ein sinnloses Schuldzuweisen, Beleidigen und Streiten nützt niemanden was. Man muss immer versuchen eine Lösung zu finden, um auch diesem traurigen Thema irgendwie eine positive Zukunft zu geben. Ansonsten ist man doch nur am Verzweifeln. Glg, Birgit

  11. Sehr interessant all die Einträge zu lesen. Auch wir „Alten“ haben unseren Fleischkonsum zurückgefahren. Allerdings gilt bei uns immer noch: „Ein gutes Stück
    Fleisch ist wichtig für den Körper – vorallem, wenn er noch im Wachsen ist“.
    Ich kann also den Ansichten nur teilweise beipflichten.
    Dass alles immer billiger werden muss, das sehe ich auch nicht ein.
    Nachdem aber die Billigläden in den meisten Fällen funktionieren scheint es an den Verbrauchern zu liegen, die doch immer wieder zum billigsten greifen – egal ob Fleisch oder Klamotten.
    Ich wünsch euch allen einen schönen glücklichen Montag🍀.
    Liebe Grüße Ali

    1. Liebe Ali, vielen lieben Dank für dein Kommentar. Dass ich überzeugte Vegetarierein bin, weisst du ja. Aber darum geht es in diesem Fall auch nicht. Ich möchte niemanden bekehren, oder jemanden den Fleischkonsum schlecht reden. Es geht in diesem Fall alleinig um das Wohl der Tiere, welches im Nutztierbereich meist einfach „durch den Rost fällt“. Und da fast 90% der Deutschen das so sehen, ist es ja schon mal ein Anfang. Dann ist es so wie du es sagst, es liegt am Verbraucher zum richtigen Fleisch zu greifen – auch wenn es einen Umweg in Fachgeschäfte bedeutet und deutlich mehr kostet. Glg, Birgit

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