Die 5 größten Schnecken-Mythen!

Ja, es geht schon wieder um das Thema Schnecken im Biogarten, aber jetzt wird ein für alle Mal mit den häufigsten Mythen aufgeräumt. Ich habe dazu nämlich gerade den tollen Artikel „Schnecken: Nichts als die Wahrheit“ in der aktuellen Kraut & Rüben Zeitschrift 07/2108 entdeckt.

Zu dem Artikel wurden zwei Schnecken-Experinnen befragt – die Schneckenforscherin Estée Bochund vom Naturhistorischen Museum der Burgergermeinde Bern und die Biologin Nadine Sydow von der Uni Kiel. Und die spannenden Wahrheiten möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten!

1. Mythos: Absammeln hilft

Auch wenn ich euch (und mich) jetzt wirklich nicht entmutigen möchte, gleicht das Absammeln laut der Expertinnen dem berühmten „Tropfen auf dem heißen Stein“. Denn jede Schnecke legt bis zu 400 Eier – und das oft mehrmals pro Jahr. Also auch wenn man täglich sein Eimerchen voll macht und wegträgt (mind. 20 Meter sollten es sein), dann hat man gerade mal einen Bruchteil der Tiere eingefangen. Leider kann ich das auch aus eigener Erfahrung bestätigen. Denn sogar innerhalb meines Schneckenzauns werden die Tierchen trotz Absammelns nicht weniger.

3-erbsenernte-selbermachen-macht-gluecklich

Leider schmeckt den Schnecken das zarte Gemüse in unseren Gärten besonders gut und satte Schnecken vermehren sich stärker als hungernde. Womit diese nicht nur im Herbst, sondern auch den ganzen Sommer lang kräftig Eier legen können. Übrigens: Zerschneiden und liegenlassen ist keine gute Idee, da viele Schnecken Kannibalen sind und die toten Schnecken nur noch mehr Artgenossen anlocken.

2. Mythos: Alle Nachtschnecken sind Schädlinge

Der Hauptgegener des Biogärtners ist eigentlich nur die Spanische Wegschnecke. Diese richtet deutlich mehr Schaden an, weil sie sich so massenhaft vermehrt. Viele andere Nacktschnecken-Arten ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzenteilen und Pilzen. Was hab ich mich gefreut, dass auch der Nutzen vom Tigeschnegel im Garten von den Expertinnen bestätigt wurde. Er ist einer der wenigen natürlichen Feinde der Wegschnecke und auch in Mitteleuropa heimisch. Ich hoffe ich schaffe es bald ein paar Exemplare in meinem Garten anzusiedeln und es ihnen dort mit einem geschützen Unterschlupf gemütlich zu machen. Denn zu fressen gibt es dort für den Tigerschnegel mehr als genug.

3. Mythos: Schnecken können nicht über Kopf kriechen

Pustekuchen – es dauert zwar länger und ist anstrengender, aber wenn auf der anderen Seite ein allzu guter Duft lockt, dann nehmen Schnecken auch den mühsamen Weg über den Schneckenzaun auf sich. Auch das kann ich bestätigen. Dennoch lohnt sich ein Schneckenzaun allemal. Die Invasion wird deutlich gebremst, da nur ein Bruchteil den mühsamen Weg auf sich nimmt und das junge Gemüse bekommt somit den Vorsprung den es im Frühsommer braucht (denn innerhalb vom Schneckenzaun wird ja weiter abgesammelt).

schnecken-zaun-3-selbermachen-macht-gluecklich

4. Mythos: Weinbergschnecken fressen Nacktschneckeneier

Das war echt ein herber Schlag für mich, da ich meine kleine Weinbergschnecken-Population im Gemüsegarten liebevoll pflege. Warum dieser Mythos entstanden ist, ist nicht klar. Vermutlich weil Jungtiere manchmal zu Kannibalismus neigen. Davon nehmen die Erwachsene jedoch Abstand – sie sind reine Vegetarier. Gehäuseschnecken sind dennoch nützlich für den Gemüsegarten, denn sie kompostieren vor allem tote Pflanzenreste und versorgen den Boden mit nährstoffreichem Kot.

Die wichtigsten Mythen über Schnecken im Biogarten | Selbermachen macht glücklich: : DIY, Nähen, Biostoffe, Biogarten #diy #nähen #biostoffe #garten

5. Mythos: Kaffesatz und Bierfallen helfen

Ok, Schnecken nehmen das Koffein über ihre Sohle auf und ja, zu viel Koffein wäre auch schädlich – aber das bisschen, dass im Satz übrig bleibt, macht ihnen wenig.

Die wichtigsten Mythen über Schnecken im Biogarten | Selbermachen macht glücklich: : DIY, Nähen, Biostoffe, Biogarten #diy #nähen #biostoffe #garten

Bei meinen „Feldexperimenten“ hat es die Espresso-Schnecken auch sowas von garnicht beeindruckt – womit ich Kaffee getrost von der Liste streichen kann. Dass wird auch von den Expertinnen bestärkt – die Behauptung Koffein würde die Tiere schädigen, stimmt leider nicht.

Unsere Schnecken 🐌 mögen unseren Espresso 🤦‍♀️. Ich stülpe jetzt nachts Eimer über die zwei Pflanzen – bis die kräftig genug sind 😊. #schneckenexperiment #espressoschnecke #selbermachenmachtglücklich

Gepostet von Selbermachen-macht-glücklich am Montag, 21. Mai 2018

 

Der Biergeruch hat widerum große Anziehungskraft auf Schnecken. Und das durch ihren feinen Geruchsinn über viele Meter. Also auch wenn diese Schnecken am Ende in der Bierfalle ertrinken, so haben sie sich bis dahin meist schon ordentlich durch den Garten gefressen.

Übrigens: Die Spanische Wegschnecke stammt garnicht aus Spanien. Wissenschaftler haben anhand von Gentests herausgefunden, dass sie immer schon hierzulande heimisch war. Es liegt vermutlich mehr an den fehlenden Fressfeinden und ihren schwindende Lebensräumen, dass sie sich so massiv ausbreitet. Wenn du also die Möglichkeit hast Igel, Blindschleiche & Co. in deinem Garten einen Unterschlupf zu bieten, werden diese es dir danken!

Liebe Gartengrüße,
Birgit

Verlinkt bei Samstagsplausch und einfachnachhaltigbesserleben.

 

 

5 thoughts on “Die 5 größten Schnecken-Mythen!”

  1. hej birgit,
    da sind ja mächtig viele schnecken unterwegs :0) interessante infos waren das, vieles war mir völlig unbekannt ….über meine erdbeeren haben sie sich trotz hochbeeten hergemacht :0) …hab noch einen schönen Sonntag und ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

  2. Und was hilft nun? Ich habe viele Tigerschnegel im Garten, Blindschleichen auch ziemlich viele. Igel habe ich noch nicht gesehen, obwohl ich ihnen ordentlich viele Versteck-Möglichkeiten lasse (der halbe Garten ist und bleibt verwildert, das Grundstück nebenan ist seit Jahren komplett verwildert, mit Brombeerhecken etc).
    Mein Gemüsegarten (und auch alles andere) ist voll von Nacktschnecken. Ich habe den Eindruck, dass sowohl absammeln (und Überbrühen), sowie durchschneiden, und auch Bio-Schneckenkorn (Ferramol) hilft. Und KEIN MULCHEN! Seit ich die ganzen Mulchdecken sowie alles Stehengebliebene (z.B.Spinat wollte ich zum Aussamen stehen lassen), weggemacht habe und den klassischen sauberen Bio-Garten habe, ist es viel besser geworden. Walderdbeeren werden zwar nicht von den Schnecken gefressen, aber sie verstecken sich kerne drunter, dasselbe mit Minze…
    Weiterhin viel Glück!

    1. Hallo liebe Antja! Tja was tun? Ich hab für mich eine gewisse Anzahl an Nackschnecken tolerieren gelernt. Komischerweise fressen sie mir im Moment – trotz massenhaftem Auftretens bei Regenwetter – nichts weg. Vielleicht liegt das auch an der dicken Mulchschicht, die ihnen vielleicht schmeckt. Keine Ahnung. Denn ohne mulchen geht es bei mir nicht, da ich nicht gieße und die Erde sich ansonsten ganz schnell in eine Betondecke verwandeln würde. Auf jeden Fall schwöre ich weiterhin auf den Schneckenzaun und werde auch weiterhin gelegentlich absammeln. Aber ich lasse mich wegen der Schnecken einfach nicht mehr stressen. Glg, Birgit

  3. Meine Cousine hat sich einfach ein paar Enten angeschafft. Sie sagt, seit sie die Enten hat, hat sie Ruhe vor Schnecken.
    Allerdings weiß ich nicht, welche Entenart sie im Garten hat, bzw. ob es da Unterschiede gibt bzgl. Schnecken fressen.
    LG
    Natalie

  4. Oh, vielen Dank für diese Sammlung! Ich wusste gar nicht, dass es da auch nützliche Nacktschnecken gibt – ich dachte, alle Nackten sind pöse! Auf Enten hätte ich total Lust, aber ich glaube, zu wenig Zeit zum Kümmern…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.